Donnerstag, 13. September 2012

Was ist Asexualität?

Asexualität ist eine sexuelle Orientierung die durch die Abwesenheit von sexueller Anziehung charakterisiert ist.

Diese zugegebenerweise etwas technisch wirkende Definition lässt sich so ähnlich auch auf der Hauptseite von AVEN, dem Asexual Visibility and Education Network, und einigen wissenschaftlichen Arbeiten wiederfinden. Aber was heißt das jetzt im Klartext?

Für viele Menschen lässt sich ein Muster erkennen, welche Geschlechter sie sexuell attraktiv finden. Während sich also Heterosexuelle vorwiegend zu Personen des anderen Geschlechts sexuell hingezogen fühlen, Homosexuelle zu denen des gleichen Geschlechts und Bisexuelle zu beiden, so finden Asexuelle niemanden sexuell attraktiv.

Asexualität bedeutet nicht "keine Sexualität"

Sexuelle Orientierung ist nur ein Teil der sexuellen Identität einer Person. Je nachdem wie breit Sexualität definiert wird, können neben sexueller Orientierung auch Libido, sexuelle Vorlieben, sexuelles Verhalten und vieles mehr unter diesen Begriff fallen.

Asexualität bedeutet nur, keine sexuelle Anziehung zu empfinden und sagt sonst nichts weiter über Libido oder Verhalten aus. Wie auch bei anderen sexuellen Orientierungen gibt es auch bei Asexuellen sehr viel Variation bezüglich Libido – manche haben keine während sie bei anderen sehr stark ist. Desweiteren haben manche Asexuelle Sex aus verschiedenen Gründen, oft weil sie sich in einer romantischen Beziehung befinden oder Kinder wollen.

Es gibt mehr als nur sexuelle Anziehung

Sexuelle Anziehung ist nur eine von vielen Arten, wie man sich zu anderen Menschen hingezogen fühlen kann. Die im asexuellen Diskurs wahrscheinlich am meist besprochene ist romantische Anziehung. Hier sind einige Worte, die am häufigsten benutzt werden um romantische Orientierungen zu beschreiben:
  • aromantisch: empfindet keine romantische Anziehung
  • biromantisch: romantische Anziehung sowohl zum eigenen als auch zum anderen Geschlecht
  • heteroromantisch: romantische Anziehung zum anderen Geschlecht
  • homoromantisch: romantische Anziehung zum eigenen Geschlecht
  • panromantisch: romantische Anziehung zu allen Geschlechtern
Aber nicht jeder findet diese Begriffe für sich passend, manche empfinden romantische Orientierung als kein sinnvolles Konzept für sie; um das auszudrücken wird oft der Term WTFromantisch verwendet.

Zwischen Schwarz und Weiß

Wie Alfred Kinsey schon 1948 bemerkte, "[darf man] die Welt nicht in Böcke und Schafe einteilen" und "[n]icht alle Dinge sind entweder schwarz oder weiß".[1] Ähnlich wie hetero- und homosexuell nicht streng abgegrenzt werden kann, so ist das auch bei asexuell und nicht-asexuell nicht möglich.*

Manche Menschen empfinden sexuelle Anziehung selten, sehr schwach oder in nur ganz bestimmten Situationen. Während sie die strikte Definition von asexuell, also keine sexuelle Anziehung zu verspüren, nicht ganz erfüllen, erscheint asexuell als zumindest die richtige Richtung. Grey-asexuell füllt die hier vorherrschende gähnende Leere an Begriffen.

*Im Übrigen ist eine strikte Trennung auch nicht zwischen romantisch und aromantisch möglich und die Worte grey-romantisch, sowie demiromantisch finden ebenfalls Verwendung.


Weiterführende Ressourcen

auf Deutsch [DE] und Englisch [EN]
Nicht genug? Dann habe ich noch eine eigene Seite an Ressourcen.



[1] Alfred C. Kinsey et al.: Sexual Behavior in the Human Male, W. B. Saunders, Philadelphia 1948, S. 639. Zitiert nach Erwin J. Haeberle: Bisexualitäten - Geschichte und Dimensionen eines modernen wissenschaftlichen Problems. Abgerufen am 13. September 2012.